Eros

Eros

Der Gott, dessen Pfeile Götter und Menschen gleichermaßen treffen

Eros ist in der griechischen Mythologie der Gott der Liebe und des Begehrens. Mit Pfeil und Bogen entfacht er Leidenschaft in den Herzen von Göttern und Sterblichen – oft gegen deren Willen. In der römischen Mythologie entspricht ihm Amor (auch Cupido genannt). Bekannt ist er primär durch seine Liebesgeschichte mit der sterblichen Psyche.

Herkunft und Abstammung

Die Abstammung des Eros wird in den antiken Quellen widersprüchlich überliefert:

  • Nach Hesiods Theogonie ist Eros eine der ersten Gottheiten überhaupt: Er entsteht direkt nach dem Chaos, zusammen mit Gaia, Tartaros und Erebos. In dieser Version ist er kein Kind, sondern eine Urkraft, die das gesamte Weltgeschehen und die Fortpflanzung antreibt.
  • In späteren, jüngeren Mythen gilt Eros dagegen als Sohn der Aphrodite und des Kriegsgottes Ares. Vereinzelt werden auch Hermes oder Zeus als Vater genannt.
  • Der Philosoph Platon liefert eine dritte Variante: Bei ihm sind Poros (Findigkeit) und Penia (Armut) die Eltern des Eros – eine Deutung, die Liebe als ständiges Streben nach dem Fehlenden erklärt.

Diese Vielfalt zeigt, wie sich das Verständnis von Eros über Jahrhunderte wandelte: von einer kosmischen Urkraft zu einem persönlichen, oft schelmisch dargestellten Liebesgott im Gefolge der Aphrodite.

Eros und Psyche

Die bekannteste Geschichte um Eros ist die Liebe zwischen ihm und der sterblichen Königstochter Psyche. Psyches Schönheit war so groß, dass die Menschen sie anstelle der Aphrodite zu verehren begannen. Aus Eifersucht schickte Aphrodite ihren Sohn Eros, um Psyche in eine unwürdige Liebe zu verstricken – doch Eros verliebte sich selbst in sie.

Er machte Psyche heimlich zu seiner Frau, besuchte sie jedoch nur nachts und verbot ihr, sein Gesicht zu sehen. Getrieben von Neugier entzündete Psyche eines Nachts eine Öllampe, um ihn zu betrachten – und verlor ihn dadurch. Eros verließ sie, und Aphrodite unterzog Psyche daraufhin mehreren nahezu unlösbaren Aufgaben, unter anderem einer Reise in die Unterwelt zu Persephone. Erst durch diese Prüfungen bewies Psyche sich als würdig: Zeus verlieh ihr schließlich Unsterblichkeit, sodass sie Eros als Gattin unter den Göttern zur Seite stehen konnte.

Symbole und Attribute

Eros wird meist als geflügelter Jüngling oder Knabe dargestellt. Zu seinen festen Attributen zählen:

  • Bogen und Pfeile – goldene Pfeile entfachen Liebe, bleierne oder eiserne Pfeile erzeugen Ablehnung und Hass.
  • Flügel, die seine Schnelligkeit und Unberechenbarkeit symbolisieren.
  • Fackel, als Sinnbild des entflammten Herzens.
  • Begleiter wie Anteros (die erwiderte Liebe), Himeros (das Verlangen) und Pothos (die Sehnsucht) – Personifikationen verwandter Gefühlsregungen im Gefolge der Aphrodite.

Kult und Verehrung

Ein bedeutendes Kultzentrum des Eros lag in Thespiai in Böotien, wo er ursprünglich in Form eines unbehauenen Steins verehrt wurde – ein Hinweis auf seine sehr alten, vorgriechischen Wurzeln als Naturkraft. Zu seinen Ehren fanden dort alle vier Jahre die Erotidia statt, Wettkämpfe mit sportlichen und musischen Wettbewerben.

Bedeutung

Eros verkörpert die Ambivalenz der Liebe: Sie kann beglücken oder zerstören, sie trifft unberechenbar und kann nicht kontrolliert werden – nicht einmal von Göttern. Über die Antike hinaus wirkt diese Vorstellung bis heute nach, etwa in der Figur des pfeilschießenden Amor oder Cupido, die zu einem der bekanntesten Symbole der Liebe überhaupt wurde.

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