Ares

Der Gott des Krieges und der Schlachtenwut

Ares ist in der griechischen Mythologie der Gott des Krieges, der Schlachten und des Blutvergießens. Als Sohn von Zeus und Hera gehört er zu den zwölf olympischen Göttern – und ist zugleich der unbeliebteste unter ihnen. Während Athene die kluge Kriegsführung und Strategie verkörpert, steht Ares für die rohe, entfesselte Seite des Krieges: Kampfrausch, Gewalt und Zerstörung. In der römischen Mythologie entspricht ihm Mars.

Herkunft und Familie

Ares ist eines der wenigen gemeinsamen Kinder des Götterpaares Zeus und Hera. Zu seinen Geschwistern zählen:

  • Hephaistos, der Gott der Schmiedekunst
  • Hebe, die Göttin der Jugend
  • Eileithyia, die Göttin der Geburt

Als seine Heimat galt den Griechen Thrakien – eine raue, kriegerische Region im Norden, die aus ihrer Sicht perfekt zu einem Gott wie Ares passte. In die Schlacht zieht er nie allein: Begleitet wird er von seinen Söhnen Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), der Kriegsgöttin Enyo und Eris, der Göttin der Zwietracht.

Auch die Amazonen, das legendäre Kriegerinnenvolk, galten in vielen Überlieferungen als Töchter des Ares.

Ares in den Mythen

Für einen Kriegsgott schneidet Ares in den Mythen erstaunlich schlecht ab – kaum eine Geschichte endet für ihn ruhmreich.

Die Verwundung vor Troja: In Homers Ilias kämpft Ares auf Seiten der Trojaner. Der griechische Held Diomedes verwundet ihn mit Unterstützung Athenes mit der Lanze. Ares brüllt dabei so laut wie zehntausend Männer und flieht auf den Olymp – wo Zeus ihm unverhohlen sagt, er sei ihm der verhassteste aller Götter.

Gefangen im Bronzefass: Die Riesenbrüder Otos und Ephialtes, die sogenannten Aloaden, überwältigten Ares und sperrten ihn dreizehn Monate lang in ein bronzenes Fass. Erst Hermes befreite den entkräfteten Kriegsgott.

Der erste Mordprozess: Als Halirrhothios, ein Sohn Poseidons, sich an Ares‘ Tochter Alkippe vergehen wollte, erschlug Ares ihn. Dafür musste er sich vor den versammelten Göttern verantworten – auf einem Hügel in Athen, der seither Areopag („Ares-Hügel“) heißt. Ares wurde freigesprochen, und der Ort wurde zum Sitz des berühmten athenischen Blutgerichts.

Ares und Aphrodite

Die bekannteste Liebesgeschichte des Ares ist seine Affäre mit Aphrodite, der Göttin der Liebe – und Gemahlin seines Bruders Hephaistos. Der Sonnengott Helios beobachtete das heimliche Paar und verriet es an den betrogenen Ehemann.

Hephaistos schmiedete daraufhin ein hauchfeines, unzerreißbares Netz und spannte es über das Bett. Als Ares und Aphrodite sich das nächste Mal trafen, saßen sie in der Falle. Hephaistos rief die Götter herbei, die das gefangene Paar mit schallendem Gelächter verspotteten – eine der berühmtesten Szenen der Odyssee.

Aus der Verbindung von Ares und Aphrodite gingen mehrere Kinder hervor, darunter:

  • Phobos und Deimos, seine ständigen Begleiter im Krieg
  • Harmonia, die spätere Gemahlin des Kadmos von Theben
  • nach einigen Überlieferungen auch Eros, der Gott der Liebe

Symbole und Attribute

Ares wird meist als kräftiger Krieger in voller Rüstung dargestellt – jung und bartlos in der klassischen Zeit, bärtig in älteren Darstellungen. Seine wichtigsten Erkennungszeichen:

  • Speer und Schwert – seine Waffen im Kampf
  • Helm und Schild – Zeichen des gerüsteten Kriegers
  • Fackel – Symbol der Zerstörung
  • Hund und Geier – seine heiligen Tiere, Begleiter des Schlachtfelds
  • Streitwagen – gezogen von vier feuerschnaubenden Rossen

Kult und Verehrung

Anders als die meisten Olympier wurde Ares in Griechenland kaum kultisch verehrt – die Griechen fürchteten ihn mehr, als dass sie ihn liebten. Tempel und Heiligtümer des Ares waren selten. Zu den Ausnahmen zählten das kriegerische Sparta sowie einzelne Kultstätten in Attika und Thrakien. In Athen erinnerte vor allem der Areopag an ihn.

Ganz anders sein römisches Gegenstück: Mars war in Rom einer der wichtigsten Götter überhaupt, galt als Vater des Stadtgründers Romulus und wurde als Beschützer des römischen Staates verehrt – ein bemerkenswerter Bedeutungswandel.

Bedeutung

Ares ist der wohl ambivalenteste der olympischen Götter: mächtig und gefürchtet, aber weder geliebt noch besonders erfolgreich. In ihm verkörperten die Griechen die dunkle Seite des Krieges – und ihr eigenes Unbehagen daran. Dass ausgerechnet der Kriegsgott in den Mythen regelmäßig unterliegt, verspottet wird und sich vor Gericht verantworten muss, zeigt, wie kritisch die griechische Kultur rohe Gewalt betrachtete. Bis heute lebt Ares weiter – im Namen des Areopag, im Planeten Mars und als feste Größe in Filmen, Serien und Videospielen.

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